Lieber Herr Grube, auf ein Wort:

 
Foto: Hannes Rockenbauch

25.11.2011,  Hannes Rockenbauch

Lieber Herr Grube,

das ZDF hat uns beide interviewt und unsere Positionen gegenübergestellt. Der Film zeigt Sie in einem der drei Sonderzüge, die Werbung für Stuttgart 21 machen. Und mich in unserem mit Spendengeldern bezahlten Zug nach Zürich, wo wir für ein besseres Bahnkonzept nach Schweizer Vorbild warben.

In der ZDF-Sendung hatten die Zuschauer den Eindruck, da kämpfen zwei auf Augenhöhe für ihre jeweilige Position. Doch weit gefehlt: Sie sind Chef des zweitgrößten Transportkonzerns der Welt und konnten mehrere Millionen Euro für Ihren Feldzug für Stuttgart 21 ausgeben, teure Agenturen beauftragen und auf ein Kommunikationsbüro zurückgreifen, das eher den Namen Propagandabüro verdient.

Uns dagegen, der bunten Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21, haben Sie sogar verboten, Werbung in Bahnhöfen und S- und U-Bahn-Stationen zu machen – während dort seit Wochen Nein-zum-Ausstieg-Sprüche verbreitet werden. Ist das Ihr Verständnis von Fairness?

Nein, Herr Grube, es war ein ungleicher Kampf. Auf der einen Seite Bürgerinnen und Bürger und auf der anderen Politik-Funktionäre, Arbeitgeberverbände und Firmenchefs, allen voran der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, aus dem Sie selbst stammen: Daimler-Benz. Klar, hier geht es um Milliardengeschäfte – für die Deutsche Bahn AG und für etliche Banken und Unternehmen. Dafür ein paar Millionen zu investieren, das lohnt sich. Doch ich verstehe unter Demokratie etwas anderes.

Eigentlich, Herr Grube, sind Sie nur ein – extrem gut bezahlter – Angestellter des Volkes, denn die Bahn gehört zu 100 Prozent dem Staat. Nicht Sie sollten über die Zukunft des Schienenverkehrs entscheiden, sondern die Menschen, denen die Bahn gehört, oder ihre gewählten Repräsentanten. Doch Sie und Ihr Vorgänger Hartmut Mehdorn haben die Parlamente seit Jahren an der Nase herumgeführt. Und viele unserer Abgeordneten haben das Spiel auch noch mitgemacht, als einige Medien Ihre Politik des Tricksens und Täuschens längst enthüllt hatten. Und dies, obwohl die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg jetzt amtlich bestätigt hat, dass der Kopfbahnhof schon heute mehr leisten kann als der Tiefbahnhof in ihren optimistischen Prognosen.

Wenn Sie jetzt auch noch ankündigen, dass Sie das Ergebnis der Volksabstimmung nicht anerkennen und unabhängig vom Ausgang auf Ihrem Baurecht bestehen werden, dann zeigt das erneut die Arroganz der Macht, mit der die Bahn die Steuerzahler und ihre Kunden über den Tisch zu ziehen versucht..

Hannes Rockenbauch
Stadtrat in Stuttgart und Sprecher des Landesbündnisses JA zum Ausstieg

Countdown bis zur Volksabstimmung