Lieber Wolfgang Schuster, auf ein Wort:

 
Foto: Gangolf Stocker

23.11.2011,  Gangolf Stocker

Lieber Wolfgang Schuster,

Ihr Brief an die Stuttgarterinnen und Stuttgarter wenige Tage vor der Volksabstimmung wird ins Leere gehen. Denn die Menschen fallen auf derartige Manipulationen nicht mehr herein.

Fair wäre es gewesen, aus Sicht der Stadt Stuttgart das Pro und Kontra von Stuttgart 21 darzustellen. Dies hat die Landesregierung versucht. Doch leider herrscht der Filz der vergangenen 58 Jahre in Baden-Württemberg und in Stuttgart immer noch. Nur so ist zu erklären, dass Sie und fast alle Honoratioren im Land als Einheitsfront gegen unsere Bürgerbewegung auftreten - die Landräte, die meisten Bürgermeister, der Städtetag und natürlich die Wirtschaft. Allen voran Arbeitgeber-Chef Dieter Hundt und die verschiedenen Arbeitgeberverbände.

Ich frage Sie, Herr Schuster, ist es fair, dass Sie zusammen mit diesen Partnern und der Deutschen Bahn AG eine millionenschwere Wahlkampagne führen, der die Bürgerbewegung nur ihre vielen Stimmen entgegensetzen kann?

Und was sagen Sie den Initiativen - zum Beispiel aus dem Kulturbereich -, denen Sie bei den aktuellen Haushaltsberatungen Zuschüsse von 10.000 oder 30.000 Euro streichen wollen, wenn Sie gleichzeitig 130.000 Euro für Wahlwerbung ausgeben?

Hören Sie bitte auf, mit der Angst der Menschen zu spielen. Bleiben Sie bei den Fakten. Wenn wir Stuttgart 21 am Sonntag begraben werden, wird die Stadt nicht nur den eigenen Finanzierungsanteil von 240 Millionen Euro einsparen. Nein, die Bahn AG müsste uns circa 750 Millionen Euro überweisen - Steuergelder, die Sie vor zehn Jahren leichtfertig für den Kauf des Gleisvorfeldes unseres Hauptbahnhofs ausgegeben haben. Mit diesem Geld könnten wir auf einen Schlag alle Schulen und Kindergärten sanieren, also das nachholen, was Sie seit vielen Jahren sträflich vernachlässigt haben.

Ihr Gangolf Stocker
Stadtrat in Stuttgart und langjähriger Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21

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